Liebe Leserinnen und Leser,
im Jahr 1982 erschien die erste Ausgabe des Kurdistan Reports. Mit der vorliegenden 241. Ausgabe findet nun eine Ära ihren Abschluss.
Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg hat der Kurdistan Report die deutschsprachige Öffentlichkeit mit aktuellen Informationen, fundierten Hintergrundanalysen und kulturellen Beiträgen über die Realität in Kurdistan und im Mittleren Osten versorgt. Über viele Jahre war er das einzige deutschsprachige Printmedium für all jene, die sich für den kurdischen Freiheitskampf interessierten. Für Aktivistinnen und Aktivisten, die sich in der Öffentlichkeitsarbeit für die kurdische Sache engagierten, war er ein unverzichtbares Medium.
»Der Beitrag des Kurdistan Reports für uns, die hier in Deutschland aufwuchsen und daher weder Türkisch noch Kurdisch lesen konnten, war unschätzbar wertvoll«, schrieb Kasım Engin anlässlich der 200. Ausgabe des Kurdistan Reports. Er fiel am 27. Mai 2000 in Bradost bei einem türkischen Luftangriff in den Reihen der kurdischen Freiheitsbewegung. Zuvor hatte er, wie unzählige andere Freundinnen und Freunde, in der Redaktion dieser Zeitschrift mitgewirkt.
Seit 1982 hat sich vieles verändert. Heute können sich Menschen im deutschsprachigen Raum über unterschiedlichste Kanäle und Medienformate über die Entwicklungen in Kurdistan informieren. Doch der Kurdistan Report hat in der Geschichte des kurdischen Freiheitskampfes eine besondere und bleibende Rolle gespielt. Umso schwerer fällt es uns, das Ende des Kurdistan Reports in seiner bisherigen Form bekanntzugeben. Dennoch müssen wir diesen Schritt schweren Herzens gehen.
Als Abdullah Öcalan im Februar vergangenen Jahres seine Partei, die Arbeiterpartei Kurdistans, dazu aufrief, auf einem Kongress ihre Selbstauflösung zu beschließen, und die PKK diesem Aufruf folgte, wurde erklärt, dass dies kein Ende, sondern ein Neuanfang sei. Auch die Einstellung des Kurdistan Reports bedeutet kein Ende. Der Kurdistan Report hat seine historische Rolle in diesem Freiheitskampf erfüllt. Er ist aus einem konkreten Bedürfnis entstanden: dem Bedürfnis, diesem Kampf auch im deutschsprachigen Raum eine Stimme zu geben.
Heute verfügt die kurdische Freiheitsbewegung im deutschsprachigen Raum über viele Stimmen. Unterschiedlichste Medienformate tragen die vielen Facetten dieses Kampfes in die Öffentlichkeit. Tausende Frauen und Männer informieren heute auch auf Deutsch über die Entwicklungen in Kurdistan – durch Medienarbeit, durch ihre Tätigkeit in verschiedenen Strukturen und durch ihr kontinuierliches Engagement. Der Kurdistan Report hat für viele von ihnen den Weg geebnet.
Er war nicht nur eine Zeitschrift, sondern auch ein Archiv des Widerstands, ein Ort der politischen Einordnung, der internationalen Solidarität und der kulturellen Verständigung. Über Jahrzehnte hinweg hat er dazu beigetragen, Perspektiven sichtbar zu machen, die in den etablierten Medien oft keinen Platz fanden oder verzerrt dargestellt wurden. Damit war der Kurdistan Report weit mehr als ein periodisch erscheinendes Heft: Er war Ausdruck einer kollektiven Stimme und eines beharrlichen Willens, Wahrheit, Widerstand und Hoffnung festzuhalten.
Wir möchten uns von Herzen bei allen treuen Leserinnen und Lesern bedanken, die uns auf diesem langen Weg begleitet haben. Unser Dank gilt ebenso allen Autorinnen und Autoren, die mit ihren wertvollen Beiträgen den Kurdistan Report geprägt und bereichert haben. Ein ganz besonderer Dank geht an all jene, die über all die Jahre hinweg in der Redaktion mitgewirkt, Texte übersetzt, Korrektur gelesen, das Layout gestaltet und die organisatorische und verwaltungstechnische Arbeit getragen haben.
All diese Arbeit wurde ehrenamtlich und aus tiefer Überzeugung geleistet. Alle Mitwirkenden haben mit ihrem Engagement einen unschätzbaren Beitrag zu dieser kollektiven, kontinuierlichen und historischen Arbeit geleistet.
Was endet, ist eine Form. Was bleibt, ist die Geschichte, die Erinnerung und der Auftrag, die Stimme Kurdistans weiter hörbar zu machen.
Eure Redaktion
Kurdistan Report 241 – Apri / Mai / Juni 2026


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