Das Potential der Freiheit gemeinsam mit Leben erfüllen
Mazda Mariya
Vom 15. bis 17. Mai 2025 fand in der südkurdischen Stadt Silêmanî die 3. Frauenkonferenz des Mittleren Ostens zusammen mit dem ersten Kongress der Regionalen Demokratischen Frauenkoalition für den Nahen Osten und Nordafrika (NADA) statt.
Die erste Frauenkonferenz fand 2013 in Amed (tr. Diyarbakır) und die zweite 2021 in Beirut statt. Aus der 2. Konferenz ging die Gründung der NADA hervor. Diesmal fand der Kongress statt, um vor allem gemeinsam klarere, zukunftsorientierte Entscheidungen zu fassen. Er stellte sich gegen viele Hindernisse und gab sich selbst eine große Mission: »Für eine demokratische Gesellschaft durch die Frauenrevolution«. Es versammelten sich etwa 225 Frauen aus 18 Ländern – darunter Vertreterinnen kurdischer, arabischer, persischer, türkischer, assyrischer, armenischer und nordafrikanischer Frauenorganisationen –, um Erfahrungen, Analysen und Strategien im Kampf gegen patriarchale Strukturen, Kriege und autoritäre Regime auszutauschen.
Der Kongress konzentrierte sich auf theoretische Reflexionen, praktische Herausforderungen und zukunftsweisende Perspektiven eines supranationalen Netzwerkes. Der erste Tag befasste sich mit der Analyse patriarchaler Gewaltverhältnisse sowie den Krisen und Auswirkungen des dritten Weltkrieges. Im Fokus des zweiten Tages waren mögliche Lösungen, die sowohl in Workshops, als auch in einem Panel thematisiert und diskutiert wurden. Mittelpunkt des dritten Tages waren strategische Weichenstellungen und die Beschlüsse für einen vereinten Kampf und die Stärkung der vereinten Organisierung.
»Der Dritte Weltkrieg ist ein nicht erklärter Krieg gegen Frauen.«
Der Einstieg in den ersten Tag des Kongresses geschah mit einer klaren Botschaft: »Der Dritte Weltkrieg ist ein nicht erklärter Krieg gegen Frauen.« Schon Anfang der 90er Jahre beschrieben Feministinnen wie Marilyn French dieses System als ›Krieg gegen die Frauen‹. Sie veranschaulichten auf radikale Weise, dass das patriarchale System ein 24-stündiger Kriegsapparat gegen die Frauen ist. Rêber Apo widmete (und widmet) sich noch viel intensiver der Patriarchatsanalyse, indem er sich zunächst mit dem Wesen der Frau, ihrer Existenz und ihrer gesellschaftlichen Identität beschäftigte, um anschließend das Patriarchat und seine Folgen zu verstehen: Das Patriarchat ist nicht nur ein ständiger Krieg gegen Frauen, es ist ein Krieg gegen die Existenz und die Wahrheit der Frauen. Im Prozess von 5000 Jahre alter Patriarchatsgeschichte, sei eine ›Vergewaltigungskultur‹ entstanden, eine Kultur die nicht nur das Gedankengut und die Mentalität der Männer beherrscht, sondern die Lebensweise von allen Menschen beeinflusst. Es ist eine Kultur, in der Herrschen, Hierarchie und Unterdrückung zur gesellschaftlichen Normalität erklärt wird, um die patriarchale Macht am Leben zu erhalten: »Zweifellos sind Vergewaltigung und Herrschaft Phänomene, die mit der gesellschaftlichen Ausbeutung zusammenhängen; sie reflektieren die Vergewaltigung der Gesellschaft durch Hierarchie, Patriarchat und Macht.«¹
Der Mittlere Osten und Nordafrika gehören zu den Regionen, die diese Vergewaltigungskultur am meisten zu spüren bekommen. Denn diese Region – einst die Wiege der natürlichen Gesellschaft und das Herz der Zivilisation – ist nun das Zentrum des dritten Weltkrieges, sie ist der Schauplatz brutalster Kriegspläne. Zugespitzt könnten wir auch sagen: Sie ist wie ein Laboratorium der hegemonialen Mächte, die verschiedenste Strategien umsetzen, um den Mittleren Osten zu kontrollieren und die Region vollständig in den Dienst des Kapitalismus zu stellen. Wie können wir uns sonst die Verwüstungen durch die Taliban, den IS, Al-Qaida erklären? Besonders der Islam wird maßlos funktionalisiert und instrumentalisiert – sowohl in den arabischen Staaten (Vertreter des ›politischen Islam‹) wie auch in der Türkei, die ihre Regierung des moderaten Islam mit Begriffen wie Laizismus verschleiert, als auch in schiitischen Regierungen, die durch den Missbrauch des Islam alle gegen die Gesellschaft gerichteten Machenschaften legitimieren. All diese Probleme betreffen direkt und indirekt die Frauen. Im Kongress hatten Frauen aus allen Teilen der Region eine Möglichkeit zu demonstrieren: die gesellschaftlichen Probleme spitzen sich zu, weil die brutalen Angriffe gegen die Frauen auf die Spitze getrieben werden. Besonders Frauen aus dem Jemen, Sudan, Iran, Afghanistan und den arabischen Staaten thematisierten die extremen Rückschritte und Repressionen: Hinrichtungen, Beschneidung der Frauenrechte durch die Zuweisung klassischer Frauenrollen, primitive Verbote, Eskalation der Männergewalt (besonders nach Militärputschen), Feminizide usw. Dies sind Faktoren, die nicht nur in den oben benannten Ländern, sondern in der ganzen Region dafür sorgen, dass Frauen aus der Politik, der Wirtschaft, der Bildung und wichtigen gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden. Die Teilnehmerinnen des Kongresses berichteten, dass im Zusammenhang mit all dem Beschriebenen die feudalen Familienstrukturen immer komplexer werden.
Auch allgemeiner betrachtet haben die Kriege im Mittleren Osten und Nordafrika direkten Einfluss auf die Frauen: Die Kriege verändern die Demografie, sind Auslöser von Vertreibung, massenhafter Flucht aus den Heimatländern – und Genoziden. Die Sprache des Krieges im Mittleren Osten und Nordafrika ist Genozid und Ausbeutung! Unter anderem in Kurdistan, Palästina, Syrien – die Liste ist endlos – finden täglich genozidale Angriffe statt. Diese sorgen dafür, dass die Gesellschaft (und ihre natürliche Organisierung) geschwächt wird; Ernährung und Erziehung werden unter diesen Umständen immer schwieriger. Die Last der Frauen verdoppelt und verdreifacht sich.
Gerade Nationen und Glaubensgemeinschaften, die sich nicht den herrschaftlichen Strukturen unterordnen, werden zusätzlich noch mit Assimilationsangriffen konfrontiert: Unter anderem gilt das besonders für die Kurd:innen, Drus:innen, Belutsch:innen, Ezid:innen, Alevit:innen, Christ:innen. Mit der nationalstaatlichen Ideologie wird zwischen den Völkern und Glaubensgemeinschaften eine Kultur des Hasses, ein grober Chauvinismus geschürt. Das sorgt für Spaltung. Wo doch der Nationalstaat das eigentliche Problem ist, werden andere Völker, Glaubensgemeinschaften oder Minderheiten zu Schuldigen gemacht.
In den intensiven und vielfältigen Diskussionen des Kongresses wurde die gefährliche Situation erneut deutlich. Der gemeinsame Nenner all dieser Beiträge war die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Das patriarchale System macht das Leben zunehmend zur Hölle. Die aktuelle Situation erfordert dringend Tatkraft zur Veränderung: Die Menschen in der Region sind sich bewusst, dass sie dringend Alternativen brauchen. Der Kongress zeigt, dass besonders Frauen ein tiefes Bedürfnis nach Veränderung haben. Der erste Schritt besteht darin, die Fragmentierung zu überwinden und über supranationale Organisierungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Logo der NADA Frauenkoalition
»Unterdrückte Völker beugen sich entweder ihrem Schicksal oder sie kämpfen.«
NADA hat es sich zur revolutionären Aufgabe gemacht, Frauen aus dem gesamten Mittleren Osten und Nordafrika zu vereinigen, um die Ursachen der Probleme zu analysieren und mögliche Lösungen zu erarbeiten sowie einen Fahrplan für ein alternatives, freies Leben zu entwickeln. Die verbleibenden zwei Tage des Kongresses standen ganz im Zeichen dieser Ziele. Besonders wichtig waren die Workshops, in denen in Gruppenarbeiten konkretere Vorschläge und Lösungen erarbeitet werden konnten. Die Workshop-Themen waren:
- Was sind die Herausforderungen, grundlegenden Hindernisse und Chancen der gemeinsamen Frauenbewegung?
- Die Rolle von NGOs im Kampf der Frauen
- Die Bedeutung von Frauenbündnissen gegen frauenfeindliche, patriarchale Allianzen und Neoliberalismus
- Selbstverteidigungssystem der Frauen gegen das patriarchale Herrschaftssystem entwickeln
In den Workshops wurden erneut die Stärken der Frauen, ihre Forderungen und ihre Handlungsmöglichkeiten deutlich. Die Frauen in dieser Region leben mit dem Erbe der neolithischen Revolution – es ist tief in ihrem historischen Gedächtnis und in ihren Herzen verankert. Sie tragen eine freiheitliche Kultur und eine starke moralische Haltung in sich. Daher besitzen Frauen ein enormes Potenzial, um sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Fortschritt einzusetzen.
Es ist essenziell, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens – politisch, militärisch und diplomatisch – vertreten sind. Jede Region hat ihre spezifischen Herausforderungen, doch von großer Bedeutung sind die Gemeinsamkeiten und gleiche Erfahrungen. Besonders betont wurde, dass der Austausch mit Regionen, in denen der Frauenkampf bereits wichtige Errungenschaften verzeichnen konnte, weiter gestärkt werden muss.
Seit 2021 hat die NADA das Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität gestärkt – insbesondere mit afghanischen, palästinensischen und sudanesischen Frauen sowie mit Frauen aus dem Jemen, Alevitinnen, Ezidinnen und Drusinnen. Zu ihren Belangen wurden in der Vergangenheit zahlreiche Pressemitteilungen veröffentlicht und teilweise auch Veranstaltungen organisiert. Doch diese Plattformen können eine noch größere Rolle dabei spielen, mehr Frauen auf lokaler Ebene innerhalb der Gesellschaft zu erreichen. NGOs können im gemeinsamen Kampf wesentlich dazu beitragen, dass Gesetze verändert und mehr Öffentlichkeitsarbeit zu aktuellen Problemen und deren Ursachen geleistet werden. Durch die Arbeit von NGOs können Frauen zudem aktiver an politischen Prozessen und Entscheidungsfindungen teilnehmen. Außerdem könnten NGOs länderübergreifende Kampagnen initiieren und so den Aufbau von Kooperativen und Bildungsinitiativen fördern.
Gleichzeitig wurde betont, dass dies allein nicht ausreicht. Die Gesellschaft als Ganzes muss organisiert werden. Es wurde hervorgehoben, dass alle Menschen Teil des gesellschaftlichen Wandels sein müssen. Besonders wichtig ist es, die jüngeren Generationen einzubeziehen – ihnen Raum zu geben, sich selbst zu organisieren, ihre Ideen und ihre Kritik zu äußern. Bildungsarbeit in allen gesellschaftlichen Bereichen und zu sämtlichen relevanten Themen ist unerlässlich.
Einfluss des Neoliberalismus
Einem ganzen Workshop war das Thema der Gefahren des Neoliberalismus gewidmet. Dr. Abîr Hassaf formulierte es so:
»Neoliberalismus ist das neue Gesicht des Kapitalismus. Frauen wurden seit jeher versklavt. Mit dem Neoliberalismus soll diese Versklavung weiter vertieft werden. Es handelt sich um einen sanft wirkenden, aber äußerst wirksamen Mechanismus, der Frauen voneinander entfremdet. Der Neoliberalismus versucht, das grenzüberschreitende kapitalistische System über den Körper der Frauen zu entwickeln.«
Durch den Einfluss des Neoliberalismus droht die Gesellschaft noch weiter zersplittert zu werden. Individualismus und Egoismus sind Phänomene, die der natürlichen Gesellschaft im Mittleren Osten und in Nordafrika fremd sind. Sie sind Ausdruck der kapitalistischen Moderne, deren Einfluss in den letzten Jahren zunehmend spürbar ist. Gerade Frauen kommt eine entscheidende Rolle zu, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken – durch den Aufbau einer demokratischen und moralisch fundierten Kultur.
Politik, Kultur, Wirtschaft, Selbstverteidigung
Als wichtigste Dimensionen für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft wurden die politische, kulturelle und wirtschaftliche Dimension sowie die Selbstverteidigung diskutiert.
›Politik‹ und ›politisch sein‹ – das sind zwei Begriffe mit großer Bedeutung. Die Frauen auf dem Kongress betonten einerseits die Wichtigkeit eines politischen und historischen Bewusstseins, andererseits forderten sie das Recht und die Möglichkeit, politische Prozesse aktiv mitzugestalten. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Kampfes der Frauen, für Verfassungsänderungen zu arbeiten und für die Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung einzutreten. Politisch zu sein bedeutet auch, eigene Methoden zur Lösung gesellschaftlicher Probleme und Herausforderungen durchsetzen zu können. Für jede Gesellschaft ist es unerlässlich, dass ihre Individuen selbstständig am Aufbau demokratischer Entscheidungsstrukturen teilhaben können – frei von Bürokratie und Machtkonzentration.
Gleichzeitig zählt auch die Kultur zu einer der grundlegenden Dimensionen, ohne die ein demokratisches Leben nicht aufgebaut werden kann. Gerade im Mittleren Osten und in Nordafrika reichen die kulturellen und historischen Wurzeln der Völker weit zurück. Diese Kulturen sind nicht nur historisch tief verankert, sondern auch außerordentlich vielfältig. Die Existenz jeder Nation und jeder Glaubensgemeinschaft ist untrennbar mit der Bewahrung ihrer Identität verbunden – ohne Identität kann keine nachhaltige Existenz gesichert werden. Es sind Geschichte und Kultur, die diese Identität formen. Doch die Geschichte der Völker in der Region wurde durch das System der Nationalstaaten stark verfälscht und von Lügen überlagert. Wir haben als Frauen die Möglichkeit, diese Lügen und die künstlichen Fassaden aufzudecken. Es ist eine wesentliche Aufgabe, die historische Kultur wieder freizulegen. Ein unverstellter Blick auf die Vergangenheit zeigt: Über Jahrhunderte hinweg haben unterschiedlichste Kulturen in dieser Region friedlich zusammengelebt.
Wirtschaft bedeutet nicht nur Geld und Besitz. Wirtschaft heißt, die Ressourcen so zu organisieren, dass die grundlegenden Bedürfnisse jeder Gemeinschaft gedeckt werden können. Sie gehört zu den ältesten Tätigkeiten – und Fähigkeiten –, die traditionell von Frauen ausgeübt und geleitet wurden. Heute jedoch sind viele Frauen in der Region mit Armut und wirtschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert. NADA hat daher festgelegt, dass eine zentrale Aufgabe ist, Frauen in der Wirtschaft zu aktiven Subjekten zu machen. Es müssen Arbeitsmöglichkeiten durch Kooperativen geschaffen, alternative landwirtschaftliche Projekte entwickelt und umgesetzt sowie neue Systeme zur gerechten Verteilung von Gütern und Produkten etabliert werden. Um Lösungen gegen Armut und Arbeitslosigkeit zu finden, müssen Frauen nicht nur eigene alternative Projekte selbstständig organisieren und durchführen, sondern auch aktiv an strategischen wirtschaftlichen Entscheidungen auf politischer Ebene beteiligt sein. In diesem Zusammenhang wurde der ökologischen Wirtschaft und dem Prinzip der Nachhaltigkeit besondere Bedeutung beigemessen.
Eine weitere unverzichtbare Dimension des Lebens ist die Selbstverteidigung. Auf dem Kongress wurde Selbstverteidigung als der Schutz der physischen, intellektuellen und kulturellen Integrität definiert. Dazu gehören sowohl eine systematische Frauenbildung, um kollektives Wissen zu bewahren und weiterzuentwickeln, als auch kollektive Mechanismen, um sich im Falle physischer Angriffe selbst verteidigen zu können.
Außerdem wurde beim Kongress die Notwendigkeit betont, eine alternative Medienstruktur aufzubauen, die die Perspektiven von Frauen sichtbar macht und der patriarchalen Berichterstattung entgegenwirkt. Medien fungieren als Sprachrohr, als Mobilisierungsinstrument und als Informationsquelle. Bisher wurde die Medienarbeit nicht strukturell und systematisch geführt – doch die Stärkung dieser Arbeit wurde als klares Ziel formuliert.
Den Welt-Frauenkonföderalismus von unten aufbauen
In allen Bewertungen schwang ein klarer Unterton mit: »Wir werden diese Welt verändern«. Es wurde deutlich, dass NADA nicht nur mit einem einzigen Kongress, sondern durch kollektive Entschlossenheit eine bedeutende Arbeit leisten wird. Auf die Fragen »Was tun?« und »Wie tun?« wurde eine kraftvolle Antwort gefunden: Zunächst Selbstorganisierung! Denn nur wenn die Strukturen auf lokaler Ebene stark werden, kann auch die regionale und internationale Vernetzung weiter vorangetrieben werden. Gerade für die Völker und Gemeinschaften im Mittleren Osten und in Nordafrika sind die Perspektiven von Rêber Apo von zentraler Bedeutung. Sie sind für viele Frauen in der Region eine große Hoffnung auf ein freies und selbstbestimmtes Leben. Er weist den Weg zu einer gesunden, stabilen Form autonomer Organisierung – jenseits von Krieg, Macht und Ausbeutung. Im Kongress wurde gemeinsam die Wichtigkeit der physischen Freiheit von Rêber Apo betont. Sein Paradigma und sein alternatives Lebensmodell gelten als Dreh- und Angelpunkt für Frieden in der Region. Deshalb sollte der Kampf für seine Freilassung im Zentrum der Kämpfe im Mittleren Osten und Nordafrika stehen.
Mit all den Beiträgen, Analysen und Bewertungen wurde der letzte Teil des Kongresses unter dem Titel »Strategische Dokumente« fortgesetzt. In diesem Rahmen wurde vorgeschlagen, das Dokument »Demokratischer Welt-Frauenkonföderalismus« als grundlegendes Referenzdokument der NADA-Koalition zu übernehmen. Die Kongressdelegation nahm diesen Vorschlag einstimmig an.
Wir befinden uns inmitten eines tiefgreifenden historischen Wandels. Was unsere Gegenwart prägt, ist das enorme Potenzial für Veränderung. In nahezu allen Lebensbereichen – von gesellschaftlichen Strukturen über politische Systeme bis hin zu wirtschaftlichen und ökologischen Fragen – erleben wir fundamentale Umbrüche. Wo Bewegung ist, entsteht Veränderung. Doch darüber, in wessen Interesse diese Veränderung erfolgt, entscheidet der Kampf um Freiheit, Demokratie und Ökologie unter der Führung der Frau – und der Grad ihrer Organisierung. Was unserer Zeit ihren historischen Charakter verleiht, ist für uns Frauen besonders dringlich und zugleich voller Möglichkeiten. Vielleicht waren die Bedingungen für eine Frauenrevolution historisch noch nie so weit gereift wie heute.
Dennoch zeigt der aktuelle Stand von Organisation und Widerstand, wie herausfordernd es ist, das 21. Jahrhundert zu einem Zeitalter der Frauenrevolution zu machen. Denn bislang haben wir noch nicht das notwendige Niveau einer umfassenden, ganzheitlich organisierten Bewegung erreicht. Zwischen Ländern, Regionen und globalen Frauenbewegungen bestehen weiterhin gravierende Brüche und Fragmentierungen. Um diese zu überwinden, bedarf es des Aufbaus eines demokratischen Systems, in dem Frauen sich autonom organisieren und über nationale Grenzen hinweg vernetzen können. Das ist der Schlüssel zur weltweiten Befreiung der Frau, und der Kongress der NADA hat uns einen Schritt näher zur Befreiung gebracht.
Die Abschlussdeklaration kann hier in englisch gelesen werden.
¹ Abdullah Öcalan, Broschüre »Befreiung des Lebens: Die Revolution der Frau«.

