Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Aktionen für die Freiheit von Abdullah Öcalan und die Aufhebung der Isolationshaft laufen zurzeit überall. Foto: ANFwir können auf ein ereignisreiches Jahr für die kurdische Freiheitsbewegung zurückblicken. 2018 begann mit der Invasion der türkischen Armee im nordsyrischen Kanton Efrîn, der nach drei Monaten entschlossenen Widerstandes der Selbstverteidigungskräfte letztlich im März besetzt wurde. Wir erlebten eine globale Solidaritätswelle mit Efrîn, wie es sie zuletzt während der Schlacht um Kobanê 2014/15 gegeben hatte. Efrîn war und ist sowohl ein prägendes Ereignis für die kurdische Gesellschaft, den kurdischen Befreiungskampf, als auch für die internationale Gemeinschaft, die einem offenen, dokumentierten Völkerrechtsbruch tatenlos zusah und immer noch zusieht.

Damit haben sich die Analysen der kurdischen Bewegung, die den 40. Jahrestag der Gründung der PKK feiert, nur bewahrheitet. Mit der Revolution in Rojava zu Beginn des Jahres 2011, dem Widerstand von Kobanê und letztlich der Befreiung Raqqas Ende 2017 hat der Befreiungskampf eine neue Qualität erreicht. Zum einen schlägt das Projekt des demokratischen Konföderalismus in der Region Wurzeln, zum anderen wird das antikapitalistische, ökologische und auf Frauenbefreiung beruhende Paradigma zunehmend zu einem Bezugspunkt für widerständige Bewegungen weltweit.

Wir waren in diesem Sinne Zeugen der Reaktion der kapitalistischen Moderne auf die demokratischen Errungenschaften der kurdischen Bewegung, die im Mittleren Osten ein System frei von Fremdbestimmung zu etablieren versucht. Die Besetzung von Efrîn im Januar war nur der Anfang. Die Ermordung des HPG-Kommandanten Ibrahim Çoban (Atakan Mahir) und des KCK-Exekutivratsmitglieds und Mitglieds der Êzîdischen Koordination Şengal, Zekî Şengalî, im August waren die Fortsetzung. Die Entscheidung der USA gegen die drei PKK-Mitbegründer und tragenden Säulen des kurdischen Befreiungskampfes, Cemil Bayık, Duran Kalkan und Murat Karayılan, im November verdeutlicht die internationale Dimension des Vernichtungskonzepts. Das PKK-Verbot und die neue Qualität der Repressionen gegen kurdische Aktivisten und Institutionen in Deutschland vervollständigt das Bild.

All das ist jedoch kein Grund zum Einknicken. Denn wer begreift, warum es diese starken Angriffe auf die kurdische Befreiungsbewegung gibt, und sich die Errungenschaften vergegenwärtigt, die erreicht wurden und sogar noch weiter ausgebaut werden, kann sich nur vom Optimismus der Revolution anstecken lassen.

Während zu Beginn des letzten Jahres die Verteidigung von Efrîn auf der kurdischen und internationalen Agenda stand, befindet sich die kurdische Bewegung als politisches Subjekt an diesem Jahreswechsel nun in der Offensive. Zentraler Ausdruck dieser Offensive ist der Hungerstreik tausender Menschen, die die Aufhebung der Isolation Abdullah Öcalans fordern. Mit den täglichen Festnahmen der Hungerstreikenden in der Türkei und Nordkurdistan, den Drohungen gegen Rojava und den Angriffen des türkischen Militärs, wie in Mexmûr und Şengal, will das Erdoğan-Regime diese Offensive brechen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Internationale Solidarität ist die Antwort auf diesen anhaltenden Staatsterror.

Eure Redaktion