»Das ist genau das, was wir brauchen!«

Neue Qualität in der Frauenaußenarbeit

Meral Çiçek

Vor einem Jahr, am 3. August 2014, griff der sogenannte »Islamische Staat« (IS) êzîdische Siedlungsgebiete im südkurdischen Şengal-(Sindschar-)Gebirge mit dem Ziel eines physischen und kulturellen Genozids an. Kurz darauf musste das Flüchtlingslager Maxmur, in dem ca. zwölftausend Flüchtlinge aus Nordkurdistan lebten, aufgrund von IS-Angriffen evakuiert werden. Einen Monat später begann der historische Widerstand von Kobanê.

Die LGBTI-Bewegung in Amed

Regenbogen auf Kurdisch

Atalay Göçer, KeSKeSoR Amed (LGBTİ-Organisation)

Die erste LGBTI-[«Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender/Transsexual and Intersexed«-]Organisation in Kurdistan wurde im Februar des Jahres 2008 unter dem Namen Piramid gegründet. Zum Newroz-Fest im Jahre 2009 versammelten sich zahlreiche Anarchist*innen und LGBTI-Aktivist*innen aus Istanbul und anderen Städten der Türkei und Kurdistans in Amed (Diyarbakır) unter dem Banner von Piramid. Im selben Jahr nahm Piramid an der LGBTI-Pride-Parade teil, die jedes Jahr im Juni in Istanbul stattfindet.

Kevin Jochim/Dilsoz Bahar

Şehîd namirin! In unserem Kampf lebst du weiter!

Momente und Erinnerungen von WeggefährtInnen und GenossInnen

In der Nacht des 6. Juli 2015 ist unser Genosse und Freund Kevin Jochim bei einem Angriff des IS in Rojava gefallen. Er und 5 weitere Freunde verloren im Kanton Cizîrê im Dorf Şergirat im Kreis Silûk ihr Leben. In Kurdistan kämpfte Kevin mit dem Namen Dilsoz Bahar in den Reihen der Volksverteidigungseinheiten der YPG.

Genoss_innen, die Heval Dilsoz an unterschiedlichen Orten kennenlernen durften, erinnern sich an Momente und Begegnungen mit ihm in Kurdistan und Deutschland:

Interview mit dem Volksratsvorsitzenden von Şengal, Seid Hisen

Șengal ein Jahr nach Beginn des Genozids

Michael Knapp

Der Beginn des jüngsten Genozids an der êzîdischen Bevölkerung des im Nordirak gelegenen Șengal-Massivs durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) jährte sich am 3. August. Șengal (Sindschar) hatte seit 2003 de facto unter der Kontrolle der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) gestanden. Trotz mehrfacher Warnungen und Massaker an der êzîdischen Bevölkerung hatte die PDK die Selbstbewaffnung der ÊzîdInnen mit aller Gewalt zu verhindern gesucht. Als der IS vorrückte, zogen nach Angaben aus der Bevölkerung der Stadt Șengal (liegt südlich des Şengal-Massivs) die dort stationierten Peschmerga der PDK Mesûd Barzanîs, die dieses Gebiet beansprucht, heimlich all ihre schweren Waffen und Einheiten angeblich aus »strategischen Gründen« ab und ließen die Bevölkerung der Stadt nahezu schutzlos zurück. Der IS fiel in Șengal ein, Hunderttausende flohen in die Berge; wer nicht fliehen konnte, wurde ermordet, versklavt oder verschleppt. AugenzeugInnen bestätigen das: »Wir haben die fliehenden Peschmerga um ihre Waffen gebeten, sie angefleht, uns wenigstens Munition dazulassen. Wir baten darum, dass sie uns zumindest die kürzlich von den irakischen Kräften zurückgelassenen Waffen geben. Alles wurde nicht nur abgelehnt, uns wurden sogar noch unsere eigenen Waffen abgenommen.« (http://dtj-online.de/irak-jesiden-peschmerga-isis-is-verrat-34367)

Aggression der türkischen AKP-Regierung gegenüber Rojava verschärft sich

Spiel mit dem Feuer

Michael Knapp

In den letzten drei Monaten hat sich die Lage in und um Rojava entscheidend verändert. Die kurdische Freiheitsbewegung und die emanzipatorischen Kräfte haben entscheidende Siege errungen. Nach dem Wahlerfolg der linken Demokratischen Partei der Völker (HDP), dem Durchbrechen der vom türkischen Militärregime 1982 eingeführten Zehnprozentwahlhürde, wurde die absolute Macht der türkischen Regierungspartei AKP grundsätzlich in Frage gestellt und ein Bündnis zwischen Linken, Revolutionär_innen, LGBTI, Antikapitalist_innen und der kurdischen Freiheitsbewegung geschmiedet. Dies stellt einen harten Schlag für die Politik der AKP dar, die kurdische Bewegung zu isolieren und hinzuhalten, während der Dialog auf Eis gelegt wird. Weiterhin ist ein Scheitern der Syrien- bzw. Rojava-Politik der Türkei festzustellen: Am 16.06.2014 befreiten Einheiten der Volks-/Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) und des Bündnisses Burkan al-Firat die seit 2012 von Dschihadist_innen und seit 2014 vom Islamischen Staat IS beherrschte Stadt Girê Sipî (Tall Abyad). Das bedeutet einen strategisch entscheidenden Sieg über den IS und die ihn unterstützenden Regionalmächte, da Girê Sipî für diese einen der wichtigsten Nachschubwege in die Türkei darstellte. Das Kappen der Linie Türkei–Ar Raqqa ist ein schwerer Schlag für das neoosmanische Projekt der türkischen Regierungspartei.