Kurdistan Report 171 | Januar/Februar 2014

kurdistan-report 171 klunter anderem mit:

der aktuellen Bewertung von Songül Karabulut,
einem Rückblick auf das Jahr 2013 von Deniz Özkürt.

Am 9. Januar 2013 wurden Sakine Cansız, Leyla Şaylemez und Fidan Doğan in Paris ermordet. Zum Stand der Entwicklungen im Fall der Pariser Morde veröffentlichen wir einen Bericht von Maxime Azadi.

Die Kovorsitzende der HDP und Istanbuler Parlamentsabgeordnete Sebahat Tuncel beschreibt eine Alternative zu Repression und Autoritarismus, die Demokratische Partei der Völker (HDP).

Zur Lage in Rojava berichten Michael Knapp, Nick Brauns und Mako Qoçgirî. Über die Widerstandsbewegung und die Perspektiven der Frauen dort können wir in dieser Ausgabe von Îlham Ehmed lesen.

Ausserdem sind weitere Artikel zur Lage der Frauen in Südkurdistan, zur EUTCC-Konferenz im EU-Parlament Brüssel, zum PKK-Verbot in der Bundesrepublik Deutschland, der Lage in Ägypten und weiter Themen zu finden ... Inhaltsverzeichnis KR 171


rojava 2Der Tigris ist nicht nur innerkurdische Grenze, er markiert die Grenze zweier Gesellschaftssysteme

Embargo gegen die Revolution

Nick Brauns, Journalist und Historiker

Die Revolution in Rojava (Westkurdistan/Nordostsyrien) ist von vielen Seiten bedroht. So kontrollieren und terrorisieren djihadistische Banden weiterhin ganze Regionen und es kommt zu blutigen Anschlägen wie dem gegen die Zentrale des Kurdischen Roten Halbmondes in Kobanî (Ain al-Arab). Doch neben der militärischen Bedrohung sieht sich die Revolution einem Hungerembargo ausgesetzt. Diese Blockade wird nicht nur von der Türkei und den terroristischen Banden durchgesetzt, sondern auch von der Kurdischen Regionalregierung (KRG) im nordirakischen Hewlêr (Arbil) unter Präsident Massud Barzanî mitgetragen.



pkkverbot 2Demonstration der Kampagne TATORT KURDISTAN am 16. November in Berlin

Friedensprozess unterstützen – PKK-Verbot aufheben!

Monika Morres

Am 16. November haben in Berlin bis zu 20000 Menschen gegen das in Deutschland seit 20 Jahren bestehende Betätigungsverbot der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) demonstriert. Die Demonstration mit dem Motto »Friedensprozess unterstützen – PKK-Verbot aufheben!« wurde initiiert von der Kampagne TATORT KURDISTAN. Zu den UnterstützerInnen des Aufrufs zur Demonstration zählten insgesamt 52 regionale und überregionale Gruppen und Organisationen sowie 34 namhafte Einzelpersonen aus Politik und Zivilgesellschaft.


mrd-25-11-13-dokh-aciklamaDer Stand der Entwicklungen im Falle der Pariser Morde

Ist euer Schweigen das Eingeständnis eurer Mitschuld?

Maxime Azadi

Sakine Cansız, genannt Sara, befand sich unter den 21 Personen, die an der Gründungsversammlung der PKK am 27. November 1978 im Dorf Fis, Licê/Amed (Diyarbakır) teilgenommen haben. Mit Sara haben nicht nur die Frauen in der PKK eine Präsenz erhalten, sie ist mit ihrem Widerstand gegen die unmenschlichen Praktiken im Gefängnis von Amed zu einem Symbol geworden. Einige Monate nach Gründung der PKK, 1979, wurde sie festgenommen. Sie war zwölf Jahre im Gefängnis von Amed inhaftiert und schrecklicher Folter ausgesetzt. Sie hat sich ihren Folterern niemals gebeugt.


dyb-29-01-14-akp-mezun-ogrencilere-mudahale2Der lange Kampf um die Aneignung der Definitionshoheit

Maskierte Assimilation: »Akkulturation«

Luqman Guldivê, freier Journalist

Wenn ein Buch vorliegt, das sich einen überaus intelligenten Anstrich gibt und dessen wissenschaftliches Vokabular einem alle eigenen Argumente als »dumm«, »unzureichend«, »veraltet«, »kurzsichtig« abstempelt und geradezu zertrümmert, dann kann der erste Eindruck durchaus positiv sein, weil ja eben Argumente ohne die oben genannten negativen Eigenschaften auf eine »brillante Erkenntnis« vorbereiten sollen. Manche von uns mögen schon einer ähnlichen Illusion aufgesessen sein. Oft ist es nicht einmal wert, darüber zu schreiben. Das Buch des Politikwissenschaftlers Prof. Metin Heper von der Bilkent-Universität Ankara mit dem Titel »The State and Kurds in Turkey: The Question of Assimilation« (New York 2007) aber hat einen sehr hohen Anspruch, darin wird behauptet, das Paradigma von der Entstehung der kurdischen Frage (Assimilationsversuche, Aufstände der Kurden und staatliche Repression als eine Gewaltspirale) sei nicht zutreffend, und insbesondere die Assimilationsversuche des Staates zeichnet es dadurch in milderem Licht, indem es die »Akkulturation« der kurdischen Eliten und wohl der gesamten »Ethnie« als das reale Geschehen darstellt.